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Bezahlte Arbeit im Sportverein

 

85 Prozent aller Schweizer Sportvereine beschäftigen keinerlei bezahlte Mitarbeitende und funktionieren ausschliesslich auf dem Prinzip der Ehrenamtlichkeit und Freiwilligenarbeit. Insbesondere grössere Sportvereine und Sportverbände entlöhnen ihre Mitarbeitenden jedoch immer häufiger finanziell1. Auch wenn es sich mehrheitlich um Teilzeit-Stellen mit Pensen von weniger als 50 Prozent oder entschädigte Arbeiten ohne feste Anstellung handelt, müssen hier einschlägige gesetzliche Vorgaben beachtet werden. Nachfolgend wird auf einige wichtige Aspekte hingewiesen, welche bei bezahlter Arbeit im Sportverein zu beachten sind.



1. Grundsätze über Ehrenamt und bezahlte Arbeit zur Sprache bringen

Sportvereine tun sich oftmals schwer, mit ihren Mitgliedern offen über das Thema Ehrenamtlichkeit und bezahlte Arbeit zu sprechen. Dies nicht selten unter dem Credo, dass die finanzielle Entschädigung von Vereinsarbeiten fast schon verwerflich und mit dem Ehrenamt nicht vereinbar ist. Spätestens bei der Genehmigung der Jahresrechnung können dann konkrete Fragen zu Verwirrungen und Spekulationen führen, vor allem wenn ausbezahlte Entschädigungen nicht offen und transparent kommuniziert wurden. Eine grundlegende Diskussion und das Festhalten in einem Reglement oder den Statuten können Abhilfe schaffen und das Vertrauen in die Vereinsführung stärken.

2. Reglementierung von Auszahlungen

Werden in einem Sportverein bestimmte persönliche Auslagen vergütet (z.B. Reisespesen, Verpflegung, Kurs- und Materialkosten), genügt es in der Regel, dies in einem internen Spesenreglement festzuhalten. Werden Ehrenamtlichen Sitzungsgelder, jährliche Pauschalentschädigungen, Honorare o.ä. ausbezahlt, sollte dies ebenfalls reglementiert und transparent gemacht werden. Es empfiehlt sich, das Spesenreglement durch die zuständige kantonale Steuerbehörde genehmigen zu lassen. Beschäftigt ein Sportverein zudem Mitarbeitende als Teil- oder Vollzeitangestellte (z.B. Trainer, Athleten, Vereinssekretariat), wird neben dem Abschluss eines Anstellungsvertrages mit integriertem Pflichtenheft die Ausarbeitung und Einführung eines Anstellungsreglements dringend empfohlen. Mit diesen Massnahmen kann sich der Sportverein viel Ärger und zeitraubende Einzeldiskussionen ersparen.

3. Arbeitsrechtliche Bestimmungen

Um rechtliche Auseinandersetzungen mit bezahlten Mitarbeitenden zu vermeiden, müssen die Verantwortlichen der Sportvereine wichtige arbeitsrechtliche Bestimmungen kennen und anwenden. Dazu gehören Themen wie Arbeitszeit, Überzeit, Lohn, Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit, Ferien, Feiertage, Freitage, Probezeit, Kündigung und Kündigungsschutz. Details dazu finden sich im Obligationenrecht (OR) und im Arbeitsgesetz (ArG).

4. Sozialversicherungen

Die korrekte Abrechnung der Sozialversicherungen, der beruflichen Vorsorge und der Unfallversicherung, das Ausstellen der Lohnausweise etc. gehört zu den Pflichten des Sportvereins in seiner Rolle als Arbeitgeber. Folgende Sozialversicherungen, Sozialleistungen bzw. Vorsorgeeinrichtungen sind relevant:
  • AHV, IV, EO (Alters- und Hinterlassenenversicherung, Invalidenversicherung, Erwerbsersatzordnung) 
  • ALV (Arbeitslosenversicherung) 
  • UVG (Unfallversicherungsgesetz) 
  • FZ (Familienzulagen) 
  • BVG (Berufliche Vorsorge) 
  • KKV (Lohnfortzahlung bei Krankheit, nicht obligatorisch). 

Erwerbstätige Personen sind ab dem 1. Januar nach Vollendung ihres 17. Altersjahrs beitragspflichtig. Nichterwerbstätige (vorzeitig Pensionierte, Teilzeitbeschäftigte, Bezüger von IV-Renten, Studierende, Weltreisende, ausgesteuerte Arbeitslose, Ehefrauen und Ehemänner von Pensionierten) müssen ab dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahrs Beiträge an die Sozialversicherungen entrichten. Die Beitragspflicht endet, wenn das ordentliche Rentenalter erreicht ist und die Erwerbstätigkeit aufgegeben wird. Für Männer liegt das ordentliche Rentenalter bei 65 Jahren und für Frauen bei 64 Jahren. Personen im AHV-Rentenalter müssen jedoch weiterhin Beiträge bezahlen, wenn sie eine Erwerbstätigkeit ausüben. Für sie existiert ein Freibetrag von 1400 Franken im Monat bzw. 16‘800 Franken im Kalenderjahr, auf dem keine Beiträge zu entrichten sind.

5. Beiträge an die AHV, IV, EO und ALV bei geringfügigen Löhnen

Grundsätzlich sind von jeder Lohnzahlung AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge abzuziehen. Wenn der Lohn 2300 Franken pro Jahr nicht übersteigt (Stand Jahr 2014) und der Arbeitnehmer es nicht ausdrücklich verlangt, kann bis zu diesem Betrag auf eine Abrechnung bzw. einen Abzug verzichtet werden. Diese Vorgabe gilt ebenso, wenn Entschädigungen oder Prämien (keine expliziten Löhne) an natürliche Personen ausbezahlt werden.

6. Selbständig Erwerbende

Sportvereine engagieren für bestimmte Leistungen oftmals externe Leiter, Referenten oder Fachpersonen, welche als so genannt selbständig Erwerbende zum Einsatz kommen. Hier gilt es vorgängig gut abzuklären, ob die Selbständigkeit gemäss Gesetz auch wirklich erfüllt ist und es sich nicht um eine Anstellung im üblichen Rahmen handelt. Als sozialversicherungsrechtlich selbständigerwerbend gelten Frauen und Männer, die unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung arbeiten sowie in unabhängiger Stellung sind und ihr eigenes wirtschaftliches Risiko tragen. In jedem Fall muss die selbständigerwerbende Person dem Sportverein gegenüber nachweisen können, dass sie die Sozialversicherungen in eigener Regie abrechnet (Vorweisen AHV-Abrechnungsnummer). Wird diesem Umstand nicht Rechnung getragen, kann dies den Sportverein teuer zu stehen kommen (Regress der Behörde auf den Sportverein).

7. Vorsorgeeinrichtung (Pensionskasse) gemäss BVG

Sportvereine, die obligatorisch zu versichernde Angestellte beschäftigen, müssen einer registrierten Vorsorgeeinrichtung (Pensionskasse) angeschlossen sein. Das BVG-Obligatorium gilt für alle Arbeitnehmer, die schon in der 1. Säule versichert sind und mindestens 21‘060 Franken im Jahr verdienen (Stand 2014). Dies stellt die Eintrittsschwelle in das Obligatorium der beruflichen Vorsorge dar.


1 Vgl. dazu die Studie «Sportvereine in der Schweiz», Observatorium Sport und Bewegung Schweiz, c/o Lamprecht & Stamm Sozialforschung und Beratung AG

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