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Coaching: nicht nur für Sportler, sondern auch für die Vereinsführung!

 

Wer «Coaching» hört, denkt automatisch an den Sport. An die Eishockeytrainer, die regelmässig im Fokus der Zuschauer in den Stadien und der Medien stehen. An den Coach des Boxers, der jede Rundenpause nutzt, um seinen Athleten zu instruieren und zu motivieren. An Coachs in der American Football League, die bei Spielunterbrüchen über Funkkontakt ihren Schlüsselspielern Anweisungen für den nächsten Spielzug geben.Coaching ist jedoch auch in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen und in öffentlichen Verwaltungen seit Jahren ein oft genutztes Instrument, wenn es um die berufliche Weiterentwicklung von Führungspersonen und Mitarbeitenden sowie um die professionelle Problembearbeitung geht. Der vorliegende Fokusbeitrag befasst sich mit dem Thema Führungscoaching. Er zeigt auf, was Coaching ist beziehungsweise warum und wofür es in Sportvereinen gut sein kann. Ausserdem geht der Beitrag darauf ein, wie ein Coachingprozess abläuft und worauf bei der Suche nach einem geeigneten Coach geachtet werden soll.

Definition «Führungscoaching»

«Coaching ist eine kontinuierliche, zeitlich begrenzte und partnerschaftlich ablaufende Be­gleitung und Beratung von Einzelpersonen oder Teams in der Verbindung von Berufsrolle und Person, zielorientiert und situativ ausgerichtet, wobei die gecoachte Person (Coachee1) für Lernen und Entscheidungen verantwortlich ist.» (Quelle: Trigon Unternehmensberatung)

Fachberatung, Expertenberatung und Psychotherapie zählen gemäss dieser Definition nicht zum Führungscoaching. Es geht auch nicht darum, dass Chefs ihre Mitarbeitenden «coachen», wenn sie Fehler gemacht oder die Jahresziele nicht erreicht haben. Im Sportcoaching sagt (meistens) der Coach, wo es lang geht. Im Führungscoaching bestimmt der Coachee, welche Ziele zu erreichen sind und welche Lösungsansätze dafür umgesetzt werden.

Coaching im Sportverein

Was bringt Coaching im Sportverband, im Sportverein oder im Organisationskomitee einer Sportveranstaltung? Die Antwort: Auch im Sport wird viel wichtige Führungsarbeit geleistet. Auch im Sport arbeiten Menschen mit verschiedenen Biografien und Motiven zusammen. Auch im Sport gibt es Unstimmigkeiten bei Führungsfragen, organisatorische Probleme, zwischenmenschliche Differenzen. Zwei Beispiele:

  • Dem Ressortleiter Marketing und Kommunikation eines grossen polysportiven Vereins sind die drei Bereichsleiterinnen Marketing, Vereinsbulletin und Medien sowie der Bereichsleiter Website unterstellt. Es wird zunehmend zum Problem, dass der Ressortleiter, der beruflich Marketingchef eines regionalen Grossverteilers ist, mit seinem Führungsstil in der ehrenamtlich geführten Sportorganisation nicht gut ankommt. Um seine Rolle zu klären und seinen Führungsstil zu überprüfen, ermöglicht ihm der Vereinsvorstand ein Coaching.

     

  • Zwischen dem Trainerteam und ihrem direkten Vorgesetzten gibt es zunehmend Spannungen und Meinungsverschiedenheiten aufgrund unterschiedlicher Ansichten bezüglich Trainingsmethoden. Ein Gespräch mit der Präsidentin brachte keine Entspannung. Der Leistungssportchef will von seinem Amt zurücktreten. Weil er ein ausgewiesener Fachmann ist, will der Vorstand ihn nicht verlieren. Er offeriert seinem Leistungssportchef ein Coaching, in dem er seine Position und die Führung seines Trainerteams überprüfen und allenfalls neu ausrichten kann.

 

Ablauf eines Coachingprozesses

Der Markt im Führungscoaching ist gross und vielfältig. Entsprechend unterschiedlich sind die Modelle, nach denen Coachingprozesse ablaufen. In der Regel lässt sich eine Situation oder ein Problem in fünf bis sieben rund einstündigen Coachinggesprächen bearbeiten.

Ein Beispiel eines Coachingprozesses in sechs Schritten:

1. Schritt: Begrüssung, erste kurze Problembeschreibung

Im ersten Coachinggespräch stellen sich Coach und Coachee in einem lockeren Gespräch kurz vor. Der Coachee wird aufgefordert, seine Situation, sein Problem zu schildern. In den folgenden Gesprächen reflektiert er jeweils die Entwicklungen seit dem letzten Treffen. Im Sport würde man diesen Schritt als Warm-up bezeichnen.

2. Schritt: Coaching-Abmachung (Kontrakt)

Im ersten Gespräch wird der zeitliche Rahmen für den Coachingprozess festgelegt und ein Coachingziel skizziert: Was soll am Ende des Prozesses für den Coachee anders sein als bisher? In den Folgegesprächen werden jeweils Teilziele und Zwischenschritte festgelegt, die bis zum nächsten Treffen erreicht werden sollen.

3. Schritt: Tatsachen feststellen

Der Coach lässt den Coachee erzählen: Grundlegende Fakten und Aspekte zur Situation werden gesammelt. Die möglichen Motive der Beteiligten werden ergründet. Der Coach fragt nach und stellt, auch mit visuellen Mitteln, dar, was er der Schilderung entnimmt. Der Coachee soll sich des Problems, der Situation bewusst werden.

4. Schritt: Situation/Problem definieren

In diesem Schritt wird die Situation definiert. Jetzt wird präzis formuliert, worum es geht und was erreicht beziehungsweise verändert werden soll. Dieser Schritt soll schriftlich festgehalten werden.

5. Lösungen suchen

«Wie soll das Ziel erreicht werden?», lautet die zentrale Frage dieses Schritts. Dabei darf sich der Coach nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden geben. Es gibt immer mehrere Lösungsmöglichkeiten. Deshalb fordert er den Coachee auf, mindestens drei Lösungsansätze zu skizzieren. Diese werden besprochen, und anschliessend wählt der Coachee eine davon für die Umsetzung aus.

6. Entscheidungen treffen

Jetzt werden die Schritte und Handlungen, die zum gewünschten Ziel führen, genau festge­legt. Der Coachee überprüft, ob er die getroffene Entscheidung rational und emotional akzeptieren kann.

Am Ende jedes Gesprächs werden Aufgaben formuliert, die der Coachee bis zum nächsten Treffen erledigen soll. Der Termin für das nächste Coachinggespräch wird vereinbart. Im letzten Gespräch wird das Coaching formell beendet.

Wo und wie finden wir den «richtigen» Coach?

Der Erfolg oder Misserfolg eines Coachings hängt stark von der Person des Coachs ab. Es ist deshalb wichtig, die Auswahl eines Coachs sorgfältig vorzubereiten und zu gestalten. Kann eine Führungsperson des Vereins das Coaching durchführen? Gibt es im Verein ein Mitglied, das professionell als Coach arbeitet? Oder zieht man einen externen Coach vor?

Jede dieser Varianten hat Vor- und Nachteile:

  • Die Führungsperson würde das Coaching wohl kostenlos machen. Aber besitzt sie auch die dafür nötigen Kompetenzen? Kann sie, was sehr wichtig ist, ihre Rolle neutral wahrnehmen? Dieser Lösungsansatz ist heikel und muss sorgfältig überlegt werden.

  • Übernimmt ein Vereinsmitglied das Coaching, kann dies ebenfalls kostengünstig sein. Aber verfügt diese Person auch über genügend Distanz, um die Situation aus der «Aussensicht» zu beurteilen? Oder ist sie in irgendeiner Form voreingenommen?

  • Der externe, professionelle Coach bringt die Kompetenz mit und bürgt für die bestmögliche Neutralität. Aber kennt er die Eigenheiten eines ehrenamtlich geführten Sportvereins und ist sein Honorar für die Vereinskasse erschwinglich?

 

sportclic.ch gibt in der Checkliste «Auswahl externer Berater» Empfehlungen zum Vorgehen und zur Auswahl des «richtigen» Coachs ab. Die Checkliste auch für den Einsatz eines internen Coachs hilfreich sein.

Das Thema Führungscoaching auf sportclic.ch

Gutes Führungscoaching ist ein nützliches Element für die Personalerhaltung und Personalentwicklung im Sportverein und Sportverband. Auf sportclic.ch ist das Thema in den Rubri­ken LARGE und SMALL platziert:

Version SMALL: Sportorganisationen mit ehrenamtlicher Führung

www.sportclic.ch > SMALL > Personalführung > Führen von Ehrenamtlichen > Ehrenamtliche entwickeln und fördern

 

  • Einstiegstext, Unterkapitel 3 «Ausbildung, Weiterbildung, Coaching»

  • Mustervorlage «Ausbildung, Weiterbildung, Coaching»

 

Version LARGE: Sportorganisationen mit professioneller Führung

 

www.sportclic.ch > LARGE > Personalführung > Personalwirtschaftliche Aufgaben > Personalentwicklung

 

  • Einstiegstext, Unterkapitel 2 «Ausserbetriebliche Personalentwicklungsmassnahmen»

  • Mustervorlage «Auswahl externer Berater»

 

1 Die Begriffe Coach und Coachee gelten für die weibliche und männliche Form. Im vorliegenden Beitrag wird die männliche Form verwendet.

 


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