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Coaching für die Sportvereinsführung

 

Coaching für die Sportvereinsführung - Interview mit zwei Sportveranstalterinnen

 

Im letzten «Fokus»-Beitrag unter dem Titel «Coaching - nicht nur für Sportler, auch für die Vereinsführung!» wurde einleitend die Frage gestellt, warum beim hohen Stellenwert des Coachings im Sport das Führungscoaching im Sportverband und Sportverein praktisch inexistent ist. In weiteren Inhalten wurde der Begriff Führungscoaching definiert und der Ablauf sowie die Auswahl des «richtigen» Coachs thematisiert.

 

In diesem «Fokus»-Beitrag wird ein Bogen von der Theorie zur Praxis gespannt. Zwei Führungsfrauen des slowUp Seetal, Claire Gisler, die erste OK-Präsidentin und Claudia Balzli-Leone, die Geschäftsführerin, blicken zurück auf die Begleitung durch einen Coach, der sie bei der Projektentwicklung unterstützte.

 

Zwei Jahre vor der Expo02 fand im Rahmen des Ausstellungprojekts «Human Powered Mobility» der erste slowUp Murtensee statt. Sechs Jahre später wurde der slowUp Seetal rund um den Baldeggersee erstmals durchgeführt. Er war mit 25'000 Teilnehmenden auf Anhieb ein Grosserfolg.

 

Die nationale slowUp-Geschäftsleitung war von Anfang an bestrebt, das Wissen und die Erfahrungen der regionalen slowUp-Organisatoren allen Erstveranstaltern zugänglich zu machen. Sie beauftragte einen Projektcoach, neue Veranstalter bei der Entwicklung der Projektidee, in der Konzept- und der Planungsphase, bei der Durchführung und der Evaluation ihres ersten slowUp zu begleiten. Im Interview beschreiben Claire Gisler und Claudia Balzli-Leone die Erfahrungen, die sie mit dem Projektcoach gemacht haben.

www.slowup.ch





Das OK des ersten slowUp Seetal mit Claudia Balzli-Leone (ganz links) und Claire Gisler (3. von links) / Foto zV



Im Januar 2005 fand in Hochdorf die Gründungsversammlung des Vereins slowUp Seetal statt. Mit dabei war auch der Projektcoach der nationalen slowUp-Geschäftsleitung. Haben Sie noch Erinnerungen an diesen Abend – und an den Auftritt des Coachs?

Claire Gisler (CG) und Claudia Balzli (CB): Es war der erste öffentliche Auftritt für uns und wir waren freudig gespannt. Sämtliche Gemeindevertreterinnen und -vertreter des Luzerner Seetals waren der Einladung gefolgt. Für uns war es eine grosse und auch emotionale Sache. Der Projektcoach überbrachte die Grüsse der nationalen Geschäftsleitung und zeigte anhand stimmungsvoller Folien auf, was ein slowUp ist. Mit seiner motivierenden Art konnte er das Interesse und die Freude an einem slowUp im Seetal verstärken. Zu unserer Unsicherheit und Unerfahrenheit waren seine Ruhe, sein Wissen und seine Kompetenz eine optimales Gegengewicht. Zudem spürten wir gegenseitig von Anfang an eine grosse Empathie.

 

War dies der erste persönliche Kontakt mit dem Coach oder gab es schon vorher eine Zusammenarbeit?

CB: Als Leiterin der Projektgruppe Erholungsraum der «idee seetal» nahm ich mit der nationalen Geschäftsleitung Kontakt auf, da ich via Presse erfahren hatte, dass der slowUp Sempachersee nur alle zwei Jahre stattfinden werde. Daraus entstand die Idee, einen mit dem slowUp Sempachersee alternierenden slowUp im Seetal zu lancieren. Das Angebot der slowUp-Geschäftsleitung, uns bei der Entwicklung des Projekts durch ein Coaching zu unterstützen, nahmen wir sehr gerne an. Persönlich kennengelernt habe ich den Coach am slowUp Hochrhein. Bis zur Gründungsversammlung führten wir ein Kick-off-Meeting durch und tauschten uns mehrmals telefonisch und schriftlich aus. Diese Verbindungen im Vorfeld schufen eine vertrauensvolle Basis zwischen uns und dem slowUp-Projektcoach.

 

CG: Nach dem Kick-off-Meeting war es für mich die zweite persönliche Begegnung mit dem Projektcoach. Im Vorfeld hatten wir einige E-Mails ausgetauscht. Die Tatsache, dass wir organisatorisch und konzeptionell von einem Coach unterstützt wurden, war für mich entscheidend für meine Zusage als OK-Präsidentin.

 

Nach der Gründungsversammlung begann für das Organisationskomitee mit der Konzeptentwicklung und der Planung des Events die eigentliche «Knochenarbeit». Wie wurden Sie in diesen Organisationsphasen vom Coach unterstützt?

CG/CG: Vor jeder OK-Sitzung liessen wir ihm die Traktandenliste zukommen. Er reagierte darauf mit wertvollen Hinweisen und fügte weitere Gedanken, Erläuterungen, Tipps und Anregungen hinzu – immer auf eine angenehme, unaufdringliche und wohlwollende Art. In insgesamt zehn «Coachingbriefen» nahm er zu aktuellen Entwicklungen unseres Projekts Stellung. Dank den ebenso wertvollen Rundmails für alle slowUp-Veranstalter war auch der Informationsfluss zwischen nationaler GL und unserem OK gewährleistet. Bei Fragen war er uns ein wichtiger und verlässlicher Ansprechpartner.

 

Vor Ihnen haben elf Regionen eine slowUp-Veranstaltung geplant und durchgeführt. Hat der Projektcoach diese Erfahrungen in die Zusammenarbeit mit Ihnen eingebracht?

CG/CG: Seine Erfahrung und das Vorwissen waren für uns relevant und bildeten eine solide Basis für die Betreuung.

 

Gab es dabei auch Situationen und Momente, in denen Sie und Mitglieder des Organisationskomitees sich durch solche Erfahrungen in der eigenen Gestaltungsfreiheit beengt gefühlt haben? Wie hat sich der Coach bei solchen und anderen Meinungsverschiedenheiten verhalten?

CG/CG: Der Coach wies uns auf mögliche Schwierigkeiten hin, die uns aber in keiner Weise einengten – im Gegenteil. Seine differenzierten Feedbacks motivierten uns, selber gute Lösungen zu finden. Selbstverständlich machte er uns auch auf die Einhaltung von Rahmenbedingungen aufmerksam. Seine Inputs bewahrten uns vor Fehlern, die uns Energie

und vielleicht auch Motivation geraubt hätten. Zu Meinungsverschiedenheiten ist es dabei nicht gekommen.

 

19 Monate nach der Vereinsgründung, am 20. August 2006, wurde der 1. slowUp Seetal erfolgreich durchführt. War der Projektcoach bei der Premiere anwesend. Wenn ja, in welcher Rolle?

CG/CG: Nein, leider konnte er damals wegen einer anderen Verpflichtung nicht als 25'001. Teilnehmer an unserer Premiere dabei sein. Er war allerdings in Gedanken bei uns, gratulierte uns unmittelbar nach dem Event zu unserem erfolgreichen slowUp-Start.

 

 

Brieftauben zur Eröffnung des slowUp Seetal 2008: Das OK überrascht

seine Gäste regelmässig mit kreativen Attraktionen. (Bild zVg)

 

Wie ging es nachher weiter? War die Zusammenarbeit mit dem ersten slowUp beendet, oder hatten Sie auch später noch Kontakt zum Projektcoach?

CG/CG: Offiziell war das Coaching nach dem ersten slowUp Seetal abgeschlossen. Das OK hatte in der Folge jedoch mehrmals wieder Kontakt, insbesondere bei der Neuausrichtung des Trägervereins und bei der Schaffung der Geschäftsstelle.

 

CB: Unser OK durfte auch Jahre später auf die Erfahrungen des Projektcoachs zurückgreifen und mit seiner Unterstützung rechnen, obwohl sein Mandat bei slowUp Schweiz im April 2010 beendet war. Ende 2011 ermunterte er uns, Swiss Olympic die Statuten des Vereins slowUp Seetal als Praxisbeispiel auf sportclic.ch anzubieten. In diesem Zusammenhang gab er uns zwei wichtige Inputs bei unserer Statutenrevision. Und selbstverständlich ist er auch heute noch als VIP beim slowUp Seetal registriert, wird jeweils zum Begrüssungsapero eingeladen und ist mit seiner Familie ein stets willkommener Gast.

 

 

Wenn Sie sich heute zurückerinnern: Welches waren für Sie die drei hilfreichsten Unterstützungen durch den Coach? Und welchen kollegialen Coachingtipp würden Sie ihm für die Optimierung seiner Arbeit geben?

 

CG/CG: Erstens: Zuverlässiger, kompetenter, souveräner Ansprechpartner und dies jederzeit (wer). Zweitens: Motivierende, unterstützende, bekräftigende, zurückhaltende Art des Coachings (wie). Drittens: Die zahlreichen und differenzierten Coachingbriefe, in denen er konkret Stellung zu unserer Arbeit nahm und uns wertvolle Empfehlungen gab (womit).

 

Diese drei Punkte waren die Träger unserer konstruktiven Zusammenarbeit. Die Chemie stimmte zwischen uns und die Zusammenarbeit erachteten wir als rundum gelungen, so dass wir spontan keinen Optimierungsvorschlag für ihn haben. Mit den zur Verfügung gestellten Organisationstools konnten wir perfekt arbeiten.

 

Seit fünf Jahren ist Swiss Olympic mit sportclic.ch, dem Webtool für Sportmanagement, online. Unter anderem mit Musterbeispielen Ihres Vereins im Kapitel Sportveranstaltung. Haben Sie und Mitglieder des OK bei den nachfolgenden slowUp von sportlic.ch Gebrauch gemacht? Wenn ja: Für welche Themen und mit welchem Ergebnis?

 

CB: Nachdem wir von Swiss Olympic über das Webtool sportclic.ch informiert worden waren, habe ich dieses ein paar Mal besucht, liess mich inspirieren und profitierte von administrativen Tipps; allerdings eher im Kontext mit meiner Arbeit als Leiterin Ortsmarketing Schongau und der Veranstaltung verschiedener Bewegungsanlässe.


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