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Eine Rede halten mit Pepp

Eine Rede halten mit Pepp

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie als Redner zu einer Jubiläumsversammlung eingeladen werden und im Programm mehrere Reden angekündigt sind? Freudige Erwartung oder schlechte Gefühle? Die Erinnerung an eine spannende und humorvolle Rede mit würzigen Botschaften oder monotone Floskeln ohne Erinnerungswert? Tosender Applaus oder Zuhörende, die sich während des Vortrages immer lauter untereinander auszutauschen begannen? Damit sich Ersteres einstellt und Ihre nächste Rede ankommt, finden Sie nachfolgend Tipps für «eine Rede mit Pepp». Sie werden mit diesem Wissen vor sportlichem Publikum brillieren.

Rhetorik, die Kunst des Redens, war schon in der griechischen Antike als Disziplin bekannt und spielte insbesondere in den meinungsbildenden Prozessen eine herausragende Rolle. Heute, über 2000 Jahre später, sind rhetorische Fähigkeiten als Kontrapunkt zu neueren Formen der Kommunikation nach wie vor gefragt und müssen, will man sich vom Mainstream absetzen, entsprechend geübt werden. Gerade als Führungsperson in einem Sportverband oder Sportverein sind auch Sie hier gefordert, denn Gelegenheit oder Einladungen zu einer Rede sind nicht selten.

Auf dem Markt finden sich Dutzende Lehrbücher und Seminarangebote über Rhetorik, ganz zu schweigen von den unzähligen Beiträgen im Internet. An fehlendem Wissen kann es also kaum liegen, dass sich nur eine gefühlte Minderheit von Vortragsreden in unser Gedächtnis einnistet und womöglich noch Wirkung zeigt. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass dem Vortrag oft zu wenig Gewicht beigemessen wird und sich der Redner möglichst schlank und unbeschadet der Sache entledigen will. Wäre es in einem solchen Fall nicht ehrlicher, keine Rede im eigentlichen Sinne zu halten und stattdessen aus dem Stegreif kurz drei relevante Punkte des Anlasses zu beleuchten, sich zu bedanken und den Zuhörenden ein schönes Fest zu wünschen? Der Applaus wäre mit Sicherheit nicht weniger, als wenn sich der Redner die Mühe gibt, inhaltlich etwas zu bieten, dafür zu viel Zeit beansprucht, sich ewig wiederholt und das Ende, den Schlusspunkt nicht findet. Natürlich verfügen nicht alle Menschen über rhetorische Fähigkeiten und Tricks, und für einige bedeutet es trotz guter Vorbereitung unsäglichen Stress, sich vor Publikum präsentieren zu müssen. Warum in einem solchen Fall nicht die klassische Rede weglassen und sich durch eine Drittperson interviewen lassen?

Bevor Sie Ihre nächste Rede vorbereiten, macht es Sinn, sich Reden aus der Vergangenheit (als Redner oder Zuhörer) ins Gedächtnis zu rufen und folgende Fragen zu beantworten:

- Was ist vom Inhalt übrig geblieben? - Welche Botschaften haben besonders angeklungen? Was war originell, ungewöhnlich, hat überrascht? - Wie wurden Gestik, Mimik und Sprache eingesetzt? - Wie war die Reaktion des Publikums? (Zustimmung, Lachen, grosser oder verhaltener Applaus etc.)

Nutzen Sie diese Denkansätze, denn es gibt kaum eine bessere Methode als den Schwung, das Rezept einer gelungenen Rede zu erkennen und gleich für den nächsten Auftritt mitzunehmen. Zur Vorbereitung einer guten Rede hat sich in der Praxis folgendes Vorgehen (Checkliste) bewährt:

1. Adressaten 

Zu welchem Anlass bin ich eingeladen, eine Rede zu halten? Wer sind die Zuhörer, wo liegt ihr Interesse und welche Erwartungen haben Sie an meine Rede? Finden sich unter ihnen auch Anderssprachige (z. B. mit französischer, italienischer oder englischer Muttersprache)?

2. Organisatorisches und Formelles

- Wo (räumlich, drinnen, draussen) findet die Rede statt? Wie viel Zeit steht mir zur Verfügung? Welche Hilfsmittel stehen bereit? Wird die Rede simultan übersetzt? Gibt es vor oder nach mir noch andere Rednerinnen und Redner? Wenn ja, zu welchen Themen werden sie sich äussern? Wie sind die Zuhörer und Gäste formell korrekt zu begrüssen bzw. anzusprechen?

3. Gliederung der Rede

Eine gute Rede soll eine erkennbare Gliederung haben und ist dadurch fassbarer für die Zuhörenden. Klassisch erfolgt die Gliederung wie in einem Aufsatz mit einer Einleitung, einem Haupt- und einem Schlussteil. Etwas origineller sind die Varianten «Gestern – Heute – Morgen» oder «Vision – Ist – Weg zum Ziel».

4. Inhalt

Der Inhalt soll dem Anlass gerecht werden und die sorgfältige Auseinandersetzung des Redners mit dem Thema widerspiegeln. Wichtig dabei ist die Frage: Welche Botschaften, Bitten oder Bilder sollen den Zuhörenden im Gedächtnis bleiben und sie anspornen, etwas zu verändern, etwas umzusetzen oder bei etwas mitzuhelfen? Gutes Recherchieren ist dabei Pflicht und zeugt von Kompetenz, Seriosität und Respekt vor dem Publikum. Keinesfalls darf der Redner über Dinge sprechen, die er nicht versteht, die er nicht wissen kann oder die nur auf Vermutungen aufbauen. Er wäre schnell entlarvt und müsste Spott und Hohn über sich ergehen lassen. Auch Belehrungen und abschätzige Bemerkungen müssen unbedingt vermieden werden.

Eine bewährte Methode, den Inhalt an die Frau bzw. an den Mann zu bringen, ist das «Storytelling». Eine lebendig erzählte Geschichte oder Anekdote aus dem eigenen Erfahrungsbereich gewinnt die Aufmerksamkeit und Konzentration anderer Menschen leichter als eine nüchterne Ansprache. Die Zuhörer versuchen, den Handlungsablauf, den Sinn zu erfassen und die darin enthaltene Weisheit zu verstehen.

Neben bekannten Fakten sollen in einer guten Rede auch unbekannte, überraschende oder unerwartete Elemente Platz finden. Einige Beispiele:

- Anlässlich der Begrüssungsrede zur Jahresversammlung spricht der Redner das Thema «Bewegung» an und wirft den Anwesenden am Ende gleich mehrere aufgeblasene Ballone zum Spiel zu. - Bei der Verabschiedung einer langjährigen Ehrenamtlichen werden Bilder von ihr bei der Arbeit eingeblendet, ergänzt durch ein kurzes Gedicht zu ihren Ehren. - Bei einem Jubiläum trägt die Rednerin Kleidung aus der Gründungszeit des Sportvereins und zitiert Texte aus den ersten Statuten. - Bei der Eröffnung eines Sportevents hisst der Redner die Vereins- oder Eventfahne, unterstützt mit Einlagen von Tambouren, Trompetenklängen o.ä. - Beim Einweihungsfest einer Sportanlage übergibt die Rednerin dem ältesten und dem jüngsten anwesenden Vereinsmitglied einen kleinen Apfelbaum, den sie dann gemeinsam neben dem Sportplatz als Symbol für die weitere Vereinsentwicklung einpflanzen dürfen.

5. Sprache;

Beim Sprechen soll auf die Alltagssprache geachtet werden, es sollten also keine den Zuhörenden unbekannten Fremdwörter verwendet werden. Bildhafte Formulierungen bleiben besser im Gedächtnis hängen, z. B.

- der Vorstand reisst sich für den Verein die Beine aus, um den Mitgliedern beste Trainingsmöglichkeiten zu bieten;- mit dem neuen Vereinsdress verblenden wir unsere Konkurrenten; - wer einmal auf unserer Website zu Besuch ist, sprintet durch; - im Schaufenster unseres Vereinslokals drücken sich Begeisterte die Nase flach.

Zum Sprechen gehören aber nicht nur die Sprache, sondern auch Ausdrucksmittel wie Gestik, Mimik und Stimme. Der Auftritt eines Menschen wird zu 55% aufgrund seiner Körpersprache und dem Körperausdruck bewertet, zu 38% ergänzen die Nuancen in der Stimme den ersten Eindruck. Lediglich 7% einer Botschaft werden anhand des gesprochenen Wortes beurteilt. Versuchen Sie also ganz gezielt, Emotionen (z. B. Freude, Aufbruchsstimmung, Trauer oder Schmerz) durch Mimik und Stimmlage zu untermauern. 

6. Humor

Humor ist ein wichtiges Element, welches Ihre Rede auflockert, den Inhalt aufpeppt und die Aufmerksamkeit des Publikums auf Sie lenkt. Mit Humor ist jedoch nicht gemeint, dass jemand Witze aneinander reiht oder sich zulasten anderer lustig macht. Guter Humor sind beispielsweise Analogien zu zwei grundsätzlich verschiedenen Situationen, die miteinander verglichen werden («wir sind letzte Saison zwar abgestiegen, dennoch steigen wir wieder auf, gleich wie die Sonne am Morgen in neuer Frische und Lichtgestalt») oder das Zitieren passender humorvoller Aussprüche bekannter Persönlichkeiten, um der Rede Glanz und Gewicht zu verleihen.Und natürlich kommen lustige Begebenheiten aus dem Vereinsalltag bestens an, ob bekannt oder noch nicht bekannt. Doch Vorsicht: Humor soll mit Mass und Bedacht in einer Rede zum Ausdruck kommen. Zu viel des Humors birgt die Gefahr des Abdriftens ins Lächerliche, der Kern des Inhalts könnte vergessen gehen. Unbedingt vermieden werden soll «schwarzer Humor» (z. B. Verharmlosung von Verbrechen, Krankheit, Tod) oder Humor, der «unter die Gürtellinie geht» (z. B. sexistische Äusserungen).

7. Den Schlusspunkt wirkungsvoll setzen 

Ein guter Schluss wird angekündigt («Ich komme nun zum Schluss meiner Rede ...») und steigert nochmals die Aufmerksamkeit. Egal, was Sie vorher alles gesagt haben: Der Schluss wird sich bei der Mehrzahl der Zuhörenden am meisten einprägen. Die letzten Sätze sind also entscheidend und bieten Gelegenheit, noch einmal eine Botschaft anzubringen um Ihrer Rede eine nachhaltige Wirkung zu geben. Beispiele -ein Zitat, - ein Aufruf, Wunsch oder Appell.

8. Üben und einprägen

Es empfiehlt sich unbedingt, eine gute Rede vorgängig zu proben und den vorgegebenen Zeitrahmen nicht zu überschreiten. Voraussetzung dazu sind ein gut lesbares Manuskript, Kärtchen mit Stichwörtern oder ähnliche Gedächtnishilfen. Zungenbrecher, Wortwiederholungen und unnötige Füllwörter sollen beim Üben eliminiert, der Inhalt verinnerlicht und wichtige Botschaften durch Mimik und Gestik hervorgehoben werden. Kann die Zeitvorgabe schon zuhause nicht eingehalten werden, muss der Inhalt gekürzt werden. Andernfalls gerät man beim Auftritt unter Zeitdruck und neigt zu schnellerem Sprechen, was die Zuhörenden im wahrsten Sinne des Wortes abhängt. Profis prägen sich den Inhalt so gut ein, dass Sie in der Lage sind, vor Publikum frei zu sprechen. Dies ist allerdings keine zwingende Voraussetzung für einen erfolgreichen Auftritt. Vielmehr darf der Blickkontakt zum Publikum nicht vergessen gehen, ansonsten die Angesprochenen schnell das Gefühl bekommen, die Rede sei nicht an sie gerichtet. Gerade zu Beginn ist der Blick ins Publikum wichtig und hilft, das Lampenfieber abzubauen. Achten Sie zudem auf eine gute Körperhaltung – sie wirkt sich positiv auf das Gesamtbild Ihrer Rede aus. Wird die Rede übersetzt, sind Ihnen die Dolmetscher sehr dankbar für die vorgängige Abgabe des Manuskripts.

Wann ist Ihre nächste Rede angesagt? Konnten wir Sie inspirieren, den einen oder anderen Tipp zu übernehmen? Swiss Olympic wünscht Ihnen viel Erfolg und herzhaften Applaus des Publikums. Mehr zum Thema finden Sie bei sportclic unter Vereinsversammlung.


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