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Freiwilliges Engagement anerkennen

 

Mehr als 700'000 Freiwillige engagieren sich ehrenamtlich in einem Sportverein oder an einer Sportveranstaltung. Wie man ihren Einsatz «richtig» wertschätzt, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Freiwilligenorganisationen am 20. November an der Fachtagung «Hauptsache Anerkennung».


Foto: Swiss Olympic

Zum Internationalen Tag der Freiwilligen, der heute stattfindet, darf es wieder einmal gesagt sein: Mehr als 700‘000 Menschen sind im Schweizer Sport freiwillig engagiert – in Verbands- und Vereinsvorständen, an lokalen Klein- oder internationalen Grossanlässen. Sie leisten über 70 Millionen Arbeitsstunden unentgeltlich. Für ihr unbezahlbares Engagement haben sie Anerkennung verdient. Aber welche Art von Anerkennung wünschen sich Freiwillige eigentlich? Und welche Rolle spielt sie für deren Motivation? Die Fachtagung «Hauptsache Anerkennung» des Schweizerischen Netzwerkes freiwillig.engagiert, die am 20. November in Olten stattfand, lieferte einige Antworten.

Freiwillige sind mit ihrem Engagement zufrieden

Professor Dr. Theo Wehner von der ETH Zürich stellte Forschungsergebnisse zur Motivation für ein freiwilliges Engagement aus der Sicht der Arbeits- und Organisationspsychologie vor. Ziel aller Massnahmen, die das freiwillige Engagement fördern sollen, ist es, drei grundlegenden psychologischen Bedürfnissen gerecht zu werden:

  • Autonomie: Menschen wollen ihr Handeln möglichst selber bestimmen können. Kontrollierendes Feedback hemmt die Motivation, während wertschätzende und aufgabenbezogene Unterstützung und konstruktives Feedback sie fördern.
  • Kompetenz: Menschen suchen optimale Herausforderungen. Sie wollen ihren Interessen nachgehen und sich persönlich weiterentwickeln.
  • Beziehung: Menschen streben danach, enge Beziehungen einzugehen.

Studien zeigen, dass für freiwillig Engagierte Gegenleistungen und Dankesanlässe eher unwichtig sind. Freiwillige sind intrinsisch motiviert, das heisst sie engagieren sich, weil es ihnen Spass macht und sie die Gemeinschaft und Geselligkeit schätzen und nicht, um dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Sie mögen es, mit andern zusammen etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen und damit andere Menschen zu unterstützen.* Diese Tatsache betont auch Swiss Volunteers, um Freiwillige für den Sport zu gewinnen.

Die «richtige» Anerkennung ist wichtig

Auch ohne die Erwartung einer Gegenleistung sind Anerkennung und Wertschätzung für Freiwillige aber wertvoll. Man muss allerdings achtgeben, mit Anerkennungsmassnahmen weder die intrinsische Motivation noch die gesellschaftlich kostbare Kultur des freiwilligen Engagements zu untergraben. So sind etwa nicht-monetäre Gegenleistungen für ehrenamtliche Einsätze kritisch zu hinterfragen, weil sie falsche Anreize schaffen können.

Unpassende Anerkennungsformen können bei Freiwilligen ar einen «milden Stress» auslösen. Sie können kontraproduktiven Erwartungsdruck und ein Gefühl von Verpflichtung hervorrufen. Viele mögen es beispielsweise nicht, als Personen allzu sehr in der Öffentlichkeit zu stehen. Allerdings schätzen wohl Volunteers im Sport Award-Verleihungen bestimmt mehr als Freiwillige in der Nachbarschaftshilfe, weil solche zur Sportkultur gehören und der Sport an sich ein Bereich ist, der viel öffentliche Aufmerksamkeit erhält.

Wie können also Verbände, Vereine und Veranstalter die Arbeit, die Freiwillige leisten, positiv anerkennen und wertschätzen?

«Richtig» anerkennen

Tätigkeit und Person kennen

Die richtige Anerkennung liegt vor allem im Erkennen, wer die freiwillig tätige Person ist und was sie leistet. Einsatzorganisationen müssen die Aufgaben und Leistungen ihrer Freiwilligen kennen, um sie entsprechend würdigen zu können. Dabei wird fachkundiges, konstruktives Feedback durchaus als wertschätzend empfunden. Leere Dankesfloskeln werden hingegen wenig geschätzt.

Freiwilligen-Engagement sichtbar machen

Auch wenn viele Freiwillige sich nicht persönlich in den Vordergrund stellen wollen, so soll sichtbar sein, welchen Beitrag sie in einer Organisation leisten. Verwenden Sie beispielsweise auf Ihrer Webseite Bilder, auf denen nicht nur Topsportler, sondern auch einmal ein Vorstandsmitglied oder Helfer an einem Sportevent zu sehen sind. Ausserdem besteht die Möglichkeit, im «Dossier freiwillig engagiert» die ehrenamtlichen Tätigkeiten und die dabei erworbenen Kompetenzen zu dokumentieren.

Aufgabenspezifisch unterstützen

Jemand muss ein Marketingkonzept schreiben, die Einsätze für einen Event planen oder die Statuten überarbeiten? Bieten Sie Freiwilligen aufgabenspezifische Unterstützung, damit sie effizient arbeiten, den Aufwand in Grenzen halten, persönlich profitieren und ihre Kompetenzen erweitern können.

Dabei kann sich ein Hinweis auf vorhandene Hilfsmittel lohnen, zum Beispiel auf sportclic.ch oder «cool and clean». Das kostenlose Webtool sportclic.ch erleichtert mit zahlreichen Mustern und Best-Practice-Beispielen die tägliche Arbeit von Führungspersonen in Verbänden, Vereinen und bei Sportveranstaltungen. Das Präventionsprogramm «cool and clean» bietet didaktisches Material, anhand dessen sich Trainer und ihre Teams mit Themen rund um Sucht, Fairness und Respekt auseinandersetzen können.

Aus- oder Weiterbildung

Ein Verband oder Verein kann auch die fachspezifische Aus- und Weiterbildung ihrer Ehrenamtlichen fördern und unterstützen. Einerseits ist dies ein Zeichen der Wertschätzung und andererseits kann die Erweiterung der Fachkenntnisse zusätzlich motivieren.

Swiss Olympic bietet in Zusammenarbeit mit den Verbänden und professionellen Bildungspartnern die Vereinsmanagement-Ausbildung an. Sie vermittelt in kompakten Kursen praxisnahes Wissen in der Vereinsführung und im Sportmanagement. Gleichzeitig bietet sie einen Rahmen, in dem das persönliche Sportnetzwerk erweitert werden kann.

Fazit

Die über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Fachtagung kamen zum folgenden Schluss: Eine goldene Regel, die immer passt, gibt es nicht. Schliesslich sind Freiwillige sehr verschieden und haben daher auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse, was die Anerkennung und Wertschätzung ihres Engagements betrifft. Es gibt aber verschiedene interessante Ansätze, wie man Freiwillige ernst nehmen und ihre Arbeit würdigen kann. Ausschlaggebend sind Offenheit, kritisches Hinterfragen und viel Phantasie, um neue Ansätze zu prüfen – und dabei nie den Menschen zu vergessen, der hinter den unentgeltlich erbrachten Leistungen steht.

*Vgl. auch Fischer, Adrian, Markus Lamprecht und Hanspeter Stamm (2012): Die Schweizer Sportvereine – Strukturen, Leistungen, Herausforderungen. Zürich: Seismo Verlag.

Schweizerisches Netzwerk freiwillig.engagiert

Die Fachtagung «Hauptsache Anerkennung» wurde durch das Schweizerische Netzwerk freiwillig.engagiert durchgeführt. Ziel des Netzwerkes ist der bereichsübergreifende Austausch, um die wichtige Ressource der Freiwilligenarbeit zu erhalten und zu fördern. Das Netzwerk ist ein loser Zusammenschluss nationaler Organisationen, deren Tätigkeitsgebiete wesentlich vom freiwilligen Engagement geprägt sind, unter ihnen auch Swiss Olympic. Wir freuen uns, wenn nationale Sportverbände sich ebenfalls am Austausch beteiligen und ihre Ideen einbringen.

Unterlagen zur Tagung

Studien des Sportobservatoriums

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