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Leadship im Sportverein

 

Wer sich für «Leadership» interessiert, findet im Dschungel des World Wide Web eine Fülle von Begriffserklärungen, Literaturhinweisen, Angeboten von Workshops, Seminaren bis hin zu Zertifikats- und Diplomlehrgängen. Akribisch werden Unterschiede zwischen Management und Führung beschrieben und vermittelt. Modelle helfen, die Komplexität des Leaderships zu erfassen und zu verstehen. Parallel dazu wird der Begriff «Leaderfigur» besonders oft im Sport erwähnt, wenn Fähigkeiten wie Begeisterung, Leidenschaft, Überzeugungskraft und Siegeswille gefragt sind. Nachfolgend möchten wir anhand von praktischen Beispielen aufzeigen, welche Bedeutung Leadership im Sportverein zukommt.


Begriff Leadership 
Es wäre vermessen, in diesem Fokusbeitrag alle Merkmale und Besonderheiten des Leaderships zu beschreiben. Deshalb bedienen wir uns vor dem Hintergrund eines Sportvereins folgender Kurzfassung:
«Unter Leadership verstehen wir die Führung von Menschen auf der Beziehungsebene mit Charisma, Persönlichkeit und Empathie. Verbunden mit der Fähigkeit zu kommunizieren, zu motivieren und zu überzeugen. Die Führung dient nicht einem Selbstzweck, sondern dem Selbstverständnis, u.a. um gemeinsame Visionen, Ziele und Erfolge zu erreichen.»


Herausforderungen an die Führung von Sportvereinen
Im herkömmlichen Sinne ist der Vorstand eines Sportvereins gefordert, traditionelle Managementaufgaben wie Analysieren, Ziele setzen, Planen, Organisieren, Umsetzen, Kontrollieren und Optimieren wahrzunehmen. Dabei dienen ihm Führungsinstrumente wie Leitbilder, Statuten, Reglemente, Budgets, Funktionsbeschreibungen und viele mehr. Doch was nützen all die guten Vorsätze, Konzepte, Pläne und Massnahmen, wenn «der Funke» nicht auf die Mitglieder überspringt und kein gemeinsamer «Spirit» entfacht werden kann Im Gegensatz zu reinen Dienstleistungsbetrieben wäre aber genau dies der Joker, durch den sich Sportvereine von anderen abgrenzen können Die Mitglieder zum Mitmachen, Mitgestalten und Mitarbeiten zu gewinnen. Talente zu erkennen und zu fördern. Wertschätzung zu zeigen und Gemeinsamkeiten ins Licht zu rücken. Dies geschieht nicht auf dem Papier, sondern in der persönlichen Begegnung. Mit regelmässiger Kommunikation, einer positiven Haltung dem andern gegenüber und dem Willen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Auch in Zeiten von Krisen, wenn scheinbar alle Stricke zu reissen beginnen.
Die folgenden drei Beispiele aus der Praxis sollen zeigen, wie sich Leadership im Sportverein auszeichnet. Sie dienen als Anstoss zur Diskussion im eigenen Sportverein und zum Austausch von Erfahrungen.

Fallbeispiel 1 Einstieg der neuen Präsidentin
Die Funktion des Präsidenten bei einem Volleyball-Club war längere Zeit vakant. Endlich konnte eine aktive Spielerin für das Amt gewonnen werden, welche beruflich als Stationsleiterin in einem Spital arbeitet. Eine Übergabe der Amtsgeschäfte fand nicht statt, da der Vorgänger bereits weggezogen war. Die anderen Vorstandsmitglieder hatten sich längst selbst organisiert und jedes für sich eigene Pläne und Aktivitäten entwickelt. Kommuniziert wurde im Vorstand wenig, ausser wenn es um finanzielle Belange ging. Eine Entwicklung, die der neuen Präsidentin offenbar aus der Erfahrung in ihrem Beruf nicht ganz fremd erschien. Was hat sie in dieser Situation unternommen

Als Präsidentin und jüngstes Mitglied des Vorstandes hat sie ihre Kolleginnen und Kollegen an einem schönen Sommerabend zu einem improvisierten Plausch-Volleyballmatch (Outdoor) eingeladen. Im Mixed mit anderen Senioren, Stammspielern und Junioren wurde das gespielt, was alle mögen Volleyball. Danach zauberte die Präsidentin einige Veteranen als Grillmeister auf den Platz, welche zuvor schon Tische und Bänke aufgestellt hatten. Sie sorgten mit grossem Eifer fürs leibliche Wohl der zusammengewürfelten Bande. Es wurde rege diskutiert und viel gelacht. Zum Abschluss des Abends hat die Präsidentin in einer kurzen Ansprache das Zusammensein verdankt und als kleine Aufmerksamkeit humorvoll allen einen Apfel «für den frischen Biss» überreicht. An diesem Abend war schliesslich so etwas wie ein neuer Clubgeist geboren, welcher in die nächste Vorstandssitzung hineingetragen wurde.

Kommentar
Die Präsidentin hat erkannt, dass sie als erste Amtshandlung keine Vorstandsklausur zu inhaltlichen und organisatorischen Fragen durchführen, sondern zuerst wieder die Freude und Lust für die Teamarbeit im Vorstand wecken muss. Sie hat ihre eigenen Stärken als Vermittlerin voll ausgespielt und mit ihrem Vorgehen alle positiv überrascht. Ihr Einstieg ist bestens gelungen.

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem grossen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Fallbeispiel 2 Ehrungen
Wer kennt sie nicht, die Würdigungen sportlicher Leistungen, Verdienste und langjähriger Treue am Ende einer Hauptversammlung. Für viele gehören sie zu den alten Zöpfen und Bräuchen der Vereine, die man mit ruhigem Gewissen aus den Traktanden streichen könnte. So dachte auch der Vorstand eines Turnvereins, als er mit neuen Ideen Wind in die Segel der Hauptversammlung bringen wollte. Anstelle der Ehrungen wurde zum Abschluss ein Video über die Vereinsaktivitäten des vergangenen Jahres gezeigt. Das fand bei den Mitgliedern zwar Gefallen, doch irgendwann entfachte eine rege Diskussion darüber, wann denn die obligaten (statutarischen) Ehrungen stattfinden würden. Damit hatte der Vorstand nicht gerechnet und es machte sich Ratlosigkeit breit. Jetzt erst war ihm bewusst geworden, wie wichtig den Anwesenden offenbar dieses Ritual ist und wie sehr es zum Verein gehört. Der Vorstand zeigte in diesem Moment Grösse und hat sich für diesen «Aussetzer» entschuldigt. Mit dem Versprechen, das Versäumte in Zukunft in einem würdigen und feierlichen Rahmen durchzuführen.

Kommentar
Im konkreten Fall wurde dem Wunsch nach Wertschätzung zu wenig Beachtung geschenkt. Im Sport zweifelt niemand ernsthaft den Akt einer Siegerehrung nach einem Wettkampf an. Warum soll eine Ehrung nicht auch Personen zu teil werden, die im Normalfall weniger im Rampenlicht stehen und im Hintergrund für den Sportverein wirken Wertschätzung ist ein zentrales Bedürfnis der Menschen – im Beruf genauso wie im Privatleben oder eben auch im Sportverein. Wir wollen mit dem, was wir sind, wir machen und geleistet haben, gesehen und anerkannt werden. Richtig angewendet, setzt Wertschätzung enorme Kräfte frei und wirkt motivierend.

Die Zeitschrift Beobachter hat im Jahr 2013 den Wechsel von Uli Forte als Fussballtrainer von GC zu YB als Fall mangelnder Wertschätzung beschrieben. Zum Beitrag


Fallbeispiel 3 Vorstandssitzung
Die Führung eines Fussballclubs setzt monatlich eine Vorstandssitzung an. Alle Ressortleiter berichten dem Präsidenten über das Geschehene im vergangenen Monat und die unmittelbar bevorstehenden Aktivitäten. Diese werden vom Präsidenten kommentiert und nach seinen Vorstellungen bewertet. Übergreifende Themen werden nur selten behandelt, weil die Zeit dazu nicht reicht. Die Sitzungen sind geprägt von Spannungen und Angst, welche aber nicht angesprochen, dafür hinter dem Rücken des Präsidenten heftig kritisiert werden. Entsprechend macht sich Frustration breit, welche jedoch nach dem Motto «Ausharren» überspielt wird.

Kommentar
Ganz offensichtlich führt der Präsident den Vorstand nach dem eisernen Prinzip Kommandieren, Kontrollieren, Korrigieren. Dieser autoritäre Führungsstil wird sich über kurz oder lang im ganzen Sportverein auswirken und ist zum Scheitern verurteilt. Es wäre aber zu kurz gedacht, die Schuld alleine dem Präsidenten zu übertragen. Wer als Mitglied eines Gremiums sein ungutes Gefühl nicht offen kommuniziert, trägt genauso Verantwortung. Deshalb muss dringend ein klärendes Gespräch erfolgen, bei dem alle ihre Befindlichkeiten ansprechen und Lösungsvorschläge einbringen können. Je früher dies geschieht, umso besser. Wird zu lange zugewartet, führt dies meist zu hässlichen Auseinandersetzungen, welche in einen offenen Machtkampf ausarten und dem Sportverein massiv schaden können.

Das Entschärfen zwischenmenschlicher Konflikte und Spannungen in kurzen Abständen beugt den vernichtenden Folgen einer Gemütsexplosion vor.
Daniel Mühlemann, Aphoristiker und Naturfotograf

Zusammenfassung
In diesem kurzen Beitrag wird das Thema Leadership nur gestreift und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Management (z. B. Planen, Budgetieren, Organisieren, Controlling) und Leadership ergänzen sich idealerweise in der Führung des Sportvereins. Beides ist wichtig für gutes Gedeihen. Selbstkritisch muss eingestanden werden, dass dem Thema Leadership (Sozialkompetenz und Motivationskraft) oft zu wenig Beachtung geschenkt wird. Sportvereine sind auf Führungspersonen mit Leadership-Qualitäten angewiesen. Die Freude am Sport und der Gemeinschaft, Wertschätzung, Vertrauen, Authentizität, Konsequenz und Selbstreflexion sind nur einige Merkmale, die gefragt sind. Dies offenbart sich in offener und sorgfältiger Kommunikation und Überzeugungskraft, aber auch der Fähigkeit, Konflikte frühzeitig zu erkennen, anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Eine gute Führungskraft
•  weiss, dass sie niemals allen Anforderungen und Wünschen entsprechen kann –
«nobody is perfect»,
•  kennt ihre Schwächen und fokussiert sich auf ihre Stärken,
•  setzt auf lebendige, mitbestimmende und wertschätzende Teamarbeit!

Leadership hat dementsprechend viel mit Persönlichkeit zu tun. Leadership kann aber auch erlernt werden. Beispielsweise im
«Intensivlehrgang «Strategie und Leadership in Nonprofit-Organisationen» des Instituts für Verbands-, Stiftungs- und Genossenschafts-Management (VMI) der Universität Freiburg. Dieser zeigt auf, wie Prozesse auf der Führungsebene zu organisieren sind und wie Strategien durch Führungskräfte implementiert werden müssen, damit sie von allen Betroffenen verstanden und mitgetragen werden.


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