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Qualitäts- und Umweltmanagement am Kerzerslauf

 

Der Veranstalter des Kerzerslaufs setzt auf ein konsequentes Qualitäts- und Umweltmanagement (QUM). Wir sprachen mit Jakob Etter, Ressortleiter QUM, über Motivation, Aufwand und Nutzen. Ausserdem steht auf sportclic.ch das QUM-Konzept vom Kerzerslauf allen Schweizer Sportveranstaltern kostenlos zur Verfügung.



Foto: zVg

Jakob Etter, Die International Organization of Standardization ISO hat den Kerzerslauf unter den Aspekten der Normen 9001 und 14001 zertifiziert. Worum geht es bei diesen Normen?
Die Norm ISO 9001 steht für Qualität. Sie gibt klare Leitlinien für die Organisation vor, für die Verantwortlichkeiten und für den Umgang mit unseren «Kunden», sprich den Läufern und ihren Begleitpersonen, den Zuschauern, Sponsoren, Behörden, Helfern usw. Die Norm ISO 14001 bezieht sich auf Umweltanliegen und beschreibt den Umgang mit Ressourcen, mit der Natur, Abfallentsorgung, Materialbeschaffung, aber auch mit ethischen Fragen. Die beiden Normen lassen sich sehr gut kombinieren.

Seit wann ist der Kerzerslauf ISO-zertifiziert?
Die ISO-9001-Zertifizierung haben wir seit 2003. Im Jahr 2005 ergänzten wir das bestehende System mit dem Umweltkonzept ISO 14001. Anfangs reagierten viele skeptisch auf das Wort ISO. Aber da wir uns damals in einer Umstrukturierungsphase befanden und uns sowieso neu orientieren mussten, liess sich das Qualitätsmanagementsystem schliesslich doch ohne allzu grosse Widerstände aufbauen. Heute könnte sich niemand mehr den Kerzerslauf ohne ISO-Normen vorstellen.

Warum lohnt sich ein konsequentes Qualitäts- und Umweltmanagement (QUM) für einen Sportevent?
Jeder versucht, eine qualitativ hochwertige Veranstaltung anzubieten. Wenn man als Organisator messbare Kriterien definiert und diese bewertet, kommt man in einen laufenden Verbesserungsprozess. Der Schutz der Umwelt und der Ressourcen, die konsequente Abfallentsorgung und der Einsatz von umweltschonenden Materialien sind heute wichtige Faktoren für zukunftsgerichtete Veranstaltungen.

Jakob Etter ist neben seinem Engagement am Kerzerslauf auch OK-Präsident der Bieler Lauftage. Der 59-jährige Seeländer schnürt selbst vier- bis fünfmal pro Woche die Joggingschuhe und nimmt jedes Jahr an 10 bis 15 Laufveranstaltungen im In- und Ausland teil.

Wie profitieren Teilnehmende, Behörden, Bevölkerung und andere Anspruchsgruppen vom QUM des Kerzerslaufs?

Wir bieten den Teilnehmenden optimale und läufergerechte Voraussetzungen, damit sie sich wohl fühlen. Gleichzeitig sorgen wir für ein Maximum an Sicherheit. Davon können auch die Sponsoren profitieren, indem sie einen sicheren und zuverlässigen Partner haben. Nach dem Lauf werden der Dorfkern und die Laufstrecke in absolut sauberem Zustand hinterlassen. Die Zuschauer und die Bevölkerung von Kerzers stellen fest, dass der Auf- und Abbau, aber auch die Durchführung sehr gut organisiert und ohne Hektik ablaufen.

Gibt es eine «kritische Grösse», damit ein QUM Sinn macht?
Selbstverständlich müssen Aufwand und Ertrag in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Aus meiner Erfahrung sind Anlässe ab 4000 Teilnehmenden oder grössere Events, die die Umwelt stark tangieren, für ein QUM-System prädestiniert. Eine generelle Limite gibt es aber nicht. Ein QUM–System ist grundsätzlich für jede Veranstaltung sinnvoll.

Wer sich mit dem Thema QUM befasst, steht vor einem Berg von Informationen, Vorschriften und Normen. Wie und wo steigt man am besten ein?
Die Vorschriften, Gesetze und Reglemente bestehen für jeden Veranstalter, mit oder ohne QUM-Konzept. Mit einem guten Managementsystem ist es etwas einfacher, diese zu handhaben und auf Veränderungen zu reagieren. Um Normen in die Praxis umzusetzen, muss man sich sicher erst einmal fachliche Kenntnisse aneignen.

Am Kerzerslauf nehmen mehr als 8000 Läuferinnen und Läufer teil. Wie gross ist der Aufwand für ein QUM-Konzept für einen Anlass dieser Grösse?
Das ist sehr schwierig zu beziffern. Wenn ich Zahlen angeben müsste, dann würde ich den Aufwand für die Entwicklung und Einführung eines QUM auf 100 bis 150 Stunden schätzen. Hinzu kommen die Kosten für einen externen Berater in der Grössenordnung von 50 bis 80 Stunden, je nach Veranstaltung.

Und welchen Einsatz erfordert das QUM nun im Regelbetrieb?
Der jährliche Aufwand für den Unterhalt und Betrieb des Systems beträgt rund 100 Stunden. Davon sind bei uns 60 Stunden intern und 40 extern. Je grösser die internen Ressourcen sind, desto geringer sind die externen Aufwendungen. Der finanzielle Aufwand muss vorgängig durch eine gründliche IST-Analyse ermittelt werden.

Vor, während und nach dem Kerzerslauf werden gegen dreissig Umweltmassnahmen umgesetzt. Darüber hinaus engagiert sich das OK für umweltschonende Massnahmen ausserhalb des Laufs. Können Sie ein Beispiel für eine solche Massnahme nennen?
In Zusammenarbeit mit dem Biotopverbund Grosses Moos hat der Kerzerslauf ein «eigenes» Biotop übernommen. Wir haben uns verpflichtet, dieses zu pflegen und für den Unterhalt zu sorgen. Dazu organisieren wir jährlich einen Umweltschutztag.

Warum leistet das OK diesen zusätzlichen Aufwand?

Mit diesen Aktionen wollen wir unser Engagement für die Umwelt nach aussen dokumentieren, aber gleichzeitig auch die Helferinnen und Helfer noch besser für Umweltanliegen sensibilisieren. Zudem ist etwa das Pflegen des Biotops ein schöner gesellschaftlicher Anlass mit Handarbeiten in und an der Natur.

Das QUM-Handbuch vom Kerzerslauf ist online auf sportclic.ch abrufbar. Sie stellen es damit anderen Schweizer Sportveranstaltern gratis zur Verfügung.
Ja, denn schliesslich besitzen wir kein Exklusivrecht auf diesen Normen. Für uns, für den Sport und für die Umwelt ist es sinnvoll und wünschenswert, dass sich auch andere Veranstalter diesen Herausforderungen stellen und vermehrt in diese Richtung arbeiten. Wenn unsere Unterlagen dazu dienen können, ist der Zweck von sportclic.ch als Wissens- und Austauschplattform erfüllt.

Seit 2012 gibt es auch die ISO-Norm 20121 für nachhaltige Events. Eine Norm mehr, mit der sich Sportveranstalter befassen müssen?
Die ISO-Norm 20121 schliesst die Anforderungen der Normen 9001 und 14001 weitgehend ein. Interessierte Veranstalter können daher direkt die Norm 20121 anwenden, ohne den Umweg über die anderen beiden Normen. Für Sportveranstaltungen ist die neue Norm sehr interessant. Sie bringt den Veranstaltern, aber vor allem auch den Partnern von Veranstaltungen sehr viel Sicherheit und damit Vertrauen.

Werden Sie ebenfalls umsteigen?

Ja, das OK Kerzerslauf hat den Umbau des heutigen QUM-Systems auf die Norm 20121 beschlossen. Wir rechnen dafür mit einem Aufwand von rund 200 Stunden für das OK und 120 Stunden für die externe Beratung.

Kerzerslauf
35. Austragung: 16. März 2013
Strecke: 15 km
Sieger: Edwin Kiptoo (Kenia)
Siegerin: Tabitha Gichia (Kenia)
Anzahl Läuferinnen und Läufer: 8571
Nächste Austragung: 15. März 2014
Webseite: www.kerzerslauf.ch

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