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Veröffentlichung von Fotos durch Sportvereine

 

Veröffentlichung von Fotos durch Sportvereine

Bilder und Übertragungen von sportlichen Ereignissen gehören zum Alltag. Sie werden auf allen möglichen medialen Plattformen veröffentlicht und verhelfen der Sportart, den Sportlerinnen und Sportlern sowie den Veranstaltern und ihren Partnern zu öffentlicher Aufmerksamkeit und Anerkennung. Auch die Sportvereine haben sich die Wirkung der Bilder längst zu eigen gemacht und publizieren Fotos von ihren sportlichen Aktivitäten und Vereinsanlässen u.a. auf ihren Webseiten, auf Facebook oder in Druckerzeugnissen wie dem Jahresbericht. Dabei stellt sich eine wichtige Frage: Dürfen Fotos von einem sportlichen Wettkampf oder einem Vereinsfest bedenkenlos veröffentlicht werden? Was gilt es zu beachten, wenn z.B. Bilder von Einzelpersonen oder von Kindern und Jugendlichen ins Netz gestellt werden? Im folgenden Beitrag wird dieses Thema kurz gestreift – auf vertiefte fachliche Dokumentationen wird am Schluss des Artikels hingewiesen.       
  

 
Eröffnung slowUp Ticino 2017 in Bellinzona (Foto: Christina von Gunten, Thun)


Bei der Veröffentlichung von Fotos (auch von Videos und YouTube-Filmchen) sind grundsätzlich zwei relevante Aspekte zu beachten: das Urheberrecht und das Persönlichkeitsrecht, genauer «das Recht am eigenen Bild».

Das Urheberrecht
Der Inhaber des Urheberrechts ist diejenige Person, welche das Foto aufgenommen hat. Sie bestimmt grundsätzlich, was mit dem Foto gemacht werden darf und was nicht. Ohne ihre Einwilligung darf das Werk weder verbreitet, kopiert, bearbeitet noch vermarktet oder verschenkt werden.

Auch bekannte Sportlerinnen und Sportler, welche sich von einem Fotografen ablichten lassen, dürfen diese Bilder grundsätzlich nur mit Zustimmung des Fotografen verwenden und z.B. auf der eigenen Website oder im eigenen Social-Media-Profil publizieren.
Die Zeitschrift «Beobachter» berichtet in ihrer Ausgabe vom 22. März 2016 von einem extremen Fall, bei welchem eine Schweizer Geschäftsinhaberin auf ihrer Website urheberrechtlich geschützte Bilder  aus dem Internet aufgeschaltet hatte. Laut einem Gerichtsurteil musste sie dem deutschen Bildeigentümer (Urheber) einen Betrag von 15‘000 € bezahlen.
  
Nicht jedes aufgenommene Bild ist jedoch schützenswert: Nach schweizerischem Recht muss das Foto eine gewisse Individualität aufweisen und sich von einem allgemein üblichen Bild abheben, damit es automatisch urheberrechtlich geschützt ist. Einfache Schnappschüsse, wie sie z.B. mit Handykameras bei allen möglichen Gelegenheiten gemacht werden, sind demnach nicht schutzfähig. Ganz im Gegensatz zu aufwändig gestalteten Fotos durch professionelle Fotografen. Übrigens: Das oft gesehene Copyrightzeichen © hat keinerlei rechtliche Wirkung. Egal, ob ein Bild oder Text damit versehen ist, das Urheberrecht gilt immer. Nur wenn explizit darauf hingewiesen wird, dass das Bildmaterial frei verwendet werden darf, ist das auch wirklich erlaubt.

Fazit zum Urheberrecht:
Es wird empfohlen, vor der Publikation von Fotos auf der Website oder in Broschüren immer die Zustimmung des Urhebers einzuholen.
 


Das Recht am eigenen Bild
In der Schweiz wird das Recht am eigenen Bild als Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts verstanden (ZGB, BG über Datenschutz). Dies bedeutet, dass Personen in der Regel darüber entscheiden, ob und in welcher Form ein Bild aufgenommen und veröffentlicht werden darf. Fotos dürfen meist nur dann öffentlich publik gemacht werden, wenn die darauf Abgebildeten ihr Einverständnis gegeben haben.

Im Fall einer redaktionellen Berichterstattung (Text und Bild) über eine öffentliche Veranstaltung, z.B. über einen sportlichen Wettkampf, kann auf eine Einwilligung verzichtet werden. Auch Prominente (Politiker, Künstler, Sportler usw.) können fotografiert werden, wenn sie sich in der Öffentlichkeit aufhalten. Probleme könnte es dann geben, wenn ein Bild als ausforschend angesehen werden kann, also ein gezieltes (voyeuristisches) Eindringen in das Privatleben darstellt oder blossen Werbezwecken dient. Kinder geniessen dabei einen höheren Schutz als Erwachsene, weshalb immer das Einverständnis der Eltern eingeholt werden muss. Besondere Vorsicht ist beim Fotografieren und Veröffentlichen von Bildern im Umfeld des Schwimmsports geboten. In vielen Schweizer Badis ist das Fotografieren grundsätzlich verboten.

Bei  Gruppenfotos bzw. Fotos mit einer Vielzahl von Personen (z.B. der Blick auf die Zuschauertribüne oder eine Mitgliederversammlung), bei denen keine Person besonders heraussticht, wiegt ein Eingriff in das Recht am eigenen Bild weniger schwer. In der Praxis wäre es oft auch nicht möglich, alle Personen ausfindig zu machen und ihre Einwilligung einzuholen. Widerspricht jedoch eine betroffene Person der Veröffentlichung, ist dies zu respektieren. Tritt auf einem Foto mit mehreren Menschen eine Person besonders hervor, z.B. aufgrund der Schärfeverhältnisse oder ihrer Position, ist eine Veröffentlichung des Fotos ohne ihre vorgängige Einwilligung unzulässig.


Achtung: Die viel zitierte «Sechspersonenregel», gemäss welcher bei sechs oder mehr abgebildeten Personen deren Persönlichkeitsrechte nicht mehr tangiert sein sollen, hat keine rechtliche Verbindlichkeit.


Mögliche Konsequenzen bei Veröffentlichungen von Fotos:
Personen, deren Bilder ohne Zustimmung veröffentlicht wurden, können sich jederzeit gegen die Veröffentlichung wehren und ihre Ansprüche nötigenfalls mittels Zivilklage geltend machen. Kommt das Gericht zum Schluss, dass eine widerrechtliche Persönlichkeitsverletzung vorliegt, weil die Fotos ohne Einwilligung oder überwiegendes öffentliches bzw. privates Interesse veröffentlicht wurden, so kann es nebst der Entfernung bzw. Vernichtung der fraglichen Bilder auch die Bezahlung von Schadenersatz und/oder einer Genugtuung anordnen. Finanzielle Konsequenzen können sich auch daraus ergeben, dass bereits hergestellte Druckerzeugnisse wie Broschüren oder Flyer vernichtet werden müssen. Zudem muss damit gerechnet werden, dass die Gerichtskosten und die Parteikosten des Klägers (insbesondere die Kosten für die anwaltliche Vertretung) zu übernehmen sind.

Fazit zum Recht am eigenen Bild:
Soweit es sich nicht um Berichterstattungen über öffentliche Veranstaltungen oder Gruppenfotos ohne offensichtliches Eindringen in die Privatsphäre handelt, wird empfohlen, vor der Publikation von Fotos immer die Zustimmung der abgebildeten Person(en) einzuholen. 



Quellenangaben und weitergehende Informationen zum Thema:

Das eigene Bild: Alles was Recht ist (Fachstelle Schweizerische Kriminalprävention)
Veröffentlichung von Fotos (Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter)
https://www.edoeb.admin.ch/datenschutz/00627/01167/index.html?lang=de

Leitfaden Social Media, Sport & Recht (Härting, Bühlmann Rechtsanwälte)
https://www.mll-news.com/wp-content/uploads/2013/07/Leitfaden_Sport_Social_Media_Recht.pdf

 



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